Die Trainerin und darüber hinaus

Maike Breitfeld in unterschiedlichen Rollen

Sie konnten lesen, was mir auf meinem Weg zur Trainerin und Beraterin an  Fähigkeiten und Fertigkeiten hin zugewachsen ist.

Dies beschreibt für mich nur die eine Seite des Weges. Auf der anderen Seite des Wege habe ich das Erlernte erlebt und erfahren – in unterschiedlichen Rollen. Einiges davon möchte ich mit Ihnen teilen.

...als Trainierin für Gewaltfreie Kommunikation

Die Trainerin gehört mit zu meinen liebsten Rollen. Ich genieße es Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Sie gemeinsam Veränderung erfahren und  entdecken zu lassen.

Dabei ist mir wichtig auch mich zu zeigen.  Auch ich hatte und habe einen Lernweg. Mit jeder neuen Situation und jedem anderen Gegenüber sind auch die Herausforderungen anders. Ja, es hat sich vieles verändert und gleichzeitig bin ich menschlich und fehlbar geblieben, was genauso dazugehört, wie das Wissen, dass ich so gern teile.

...als Systemische Beraterin

Es gibt drei wesentliche Prinzipien in der Systemischen Arbeit:  Neutralität,  Allparteilichkeit, Präsenz.

Um diese drei Qualitäten zu halten brauchte es für mich zum einen das Fachwissen darüber, wie funktionieren Familie, Partnerschaft, Kommunikation, Bindung,  Systemeordnungen usw. so dass ich während des Beratungsprozesses Hypothesen und Annahmen treffen kann, wohin ich den Scheinwerfer richten kann. Gleichzeitig ging es auch darum, mich in meinen Bezügen und Zusammenhängen zu sehen, um so zu erkennen welche Anteile es in meinem Leben gibt.

Neutralität bedeutet: Meine Themen und Erfahrungen haben in der Beratung nichts zu suchen. Es geht um Sie und Ihr Lebenssystem.

Allparteilichkeit bedeutet: Wenn ich mit mehreren Personen gleichzeitig arbeite, werde ich mich nicht mit einer der Parteien verbünden.

Präsenz bedeutet: Meine Aufmerksamkeit gehört Ihnen. Ich stelle den inneren Raum zur Verfügung, in dem Sie alles sagen und aussprechen können.

Es gibt so viele unterschiedliche Lebenskonzepte – so dass ich heute sage, es gibt nichts was es nicht gibt und es hat für mich immer einen guten Grund, warum die Dinge so sind wie sie sind.

...als Mutter

In meiner Rolle als Mama leitet mich eine zentraler innerer Wunsch: Mögen meine Kinder am Ende meines Lebens, über mich sagen: Wir freuen uns, dass sie unsere Mama war, wir hätten keine andere haben wollen.

Gleichzeitig empfinde ich das Spannungsfeld zwischen mir als Mensch und mir als Mama als die größte Herausforderung. Es kommt vor, dass Maike Dinge eigentlich okay und völlig in Ordnung findet, wenn die Kinder etwas länger auf bleiben oder unterwegs sind. Aus der Rolle der Mum (so werde ich liebevoll genannt), gibt es in Bezug auf Werte, Regeln und Gesetzte  in unserer Gesellschaft anderes zu vertreten.

Hier das eigene zu finden, das was mir am Herzen liegt, ist gar nicht so einfach. Ein Schicksal, dass ich mit vielen anderen Eltern teile.

...als Partnerin

Auch mein Leben hat Höhen und Tiefen in der Partnerschaften. Nähe und Distanz, Selbständigkeit und Abhängigkeit, Einzigartigkeit und Freiheit. Jeden Morgen scheine ich eine andere zu sein und von dem ein mehr und von dem anderen weniger zu brauchen. Und meinem Partner geht es ebenso. Auch hier suche ich beständig nach Wegen, den Raum zwischen mir und ihm mit Leichtigkeit zu gestalten. Meine wesentlichste Erkenntnis, wenn ich mit mir verbunden und im Einklang bin, dann klappt es auch mit dem Partner.

...als Freundin

Freundin zu sein ist eine wunderbare Aufgabe. Gemeinsam zu lachen, zu weinen, zu schimpfen, zu witzeln oder sich über die sich jetzt langsam einstellenden Wehwehchen auszutauschen, bereichert das Leben.

Ich habe lernen dürfen, wie Gespräche sich dorthin entwickeln, dass ein Austausch und Bewegung gleichermaßen entsteht. Im Anschluss bereichert, erfüllt und in Verbindung nach Hause gehen zu dürfen.

Und auch in meiner Lebensgeschichte gibt es Verlust von Freundschaft. Sich plötzlich nicht mehr hören ohne zu wissen warum, Menschen die aus dem Kontakt gegangen sind und ich es nicht geschafft habe, ihn wieder aufzunehmen.

...als ehrenamtliche Sterbebegleiterin

Der Tod gehört mit dem Tage der Geburt zum Leben dazu. Und ihn im natürlichen Verlauf des Leben nicht planen zu können, hat ihn für mich lange Zeit befremdlich, ja fast bedrohlich, wirken lassen.

Die Begleitung von Menschen im letzten Abschnitt ihres Lebens hat mir das Vertrauen gegeben, es ist am Ende friedlich. Das was ich für mich beitrage, bereits jetzt diesen friedlichen Teil zu nähren und den Schmerz, der sonst vielleicht seinen Ausdruck in Verzweiflung oder „hätte ich doch“ anzusehen und jetzt etwas zu ändern.

...als Seminarteilnehmerin

In Seminaren sitze ich gern offen und wach, um alles was kommt mit dem zu verbinden, was bereits in mir seinen Platz gefunden hat. Daher habe ich so meine Schwierigkeiten, wenn Dozenten das Neue als die alleinige Lösung von allem darstellen. An der Stelle verliere ich gern die Haltung und wünsch mir sehr, möge es in meinen Trainings so nicht ankommen.

Eine Gelegenheit für mich Selbstempathie zu üben. Nun könnte man sagen, teile Dich aufrichtig mit. Könnte ich. Gleichzeitig bin ich dort um etwas Neues hinzuzulernen – bin ich dann offen dafür? Und ich denke auch an die anderen Teilnehmer, die gekommen sind das Neue zu lernen und weniger der fachlichen Auseinandersetzung mit meinen Gedanken und Anregungen über den Tellerrand hinaus.

...als Norddeutsche im Allgäu

Schlüsselsituation für mein Bewusstsein war der beiläufige Kommentar eines Freundes: „Weißt du Maike, du machst den Mund nur auf und hörst dich schon arrogant an.“ Das habe ich doch erst mal schlucken müssen. Arrogant?! Ja, hier im Allgäu wurden die Kinder in der Schule angehalten Hochdeutsch zu sprechen, was vielen schwer viel. Sie verbinden somit keine guten Erfahrungen mit den Wortlauten und der Satzmelodie.

Der Kommentar hat mich nachdenklich werden lassen. Regionaler Dialekt hat etwas mit Zugehörigkeit zu tun, wie wunderbar, dass es ihn gibt. Gleichzeit die Ohnmacht ihn bei fehlendem Talent nicht aus oder in die Sprache zu bekommen. Mir hört man heute noch woher ich ursprünglich stamme. Schleswig-Holstein.