Zuhören, eine Kunst

  • Zuhören wie Momo als neue Qualtität im Miteinander

Ich bin ein guter Zuhörer, dachte ich und machte es daran fest, dass Freunde und Bekannte mit mir gerne ihre Sorgen und Nöte besprachen. Was ich versuchte, war Lösungen oder Möglichkeiten der Veränderungen für den anderen zu finden.
Gut ging es mir hinterher meist nicht, ich war eher erschöpft, müde und leer oder, wenn all meine Ideen mit einem ja aber verworfen wurden, eher genervt und ärgerlich.
Kennen Sie das auch?

Ein weniger guter Zuhörer war ich, wenn es darum ging, Kritik, Vorwürfe oderMeinungen über mich zu hören. Schon klar, wer hört schon gern Kritik. Entsprechend waren meine Reaktionen: Angriff oder Verteidigung mit der Folge von Streit und Konflikten.

Wenn ich heute eine gute Form des Zuhörens beschreiben sollte, dann ist es die des aktiven Zuhörens, in Verbindung mit Empathie – dem Versuch, Perspektiven und Sichtweisen anderer zu verstehen. Die Gewaltfreie Kommunikation unterstützt mich dabei, mich selbst besser wahrnehmen zu können, meine Sprech- und Handlungsimpulse zu steuern und gleichzeitig zu erkennen, was zu mir und was zum anderen gehört.

Herausforderungen beim Zuhören

Viele Menschen klagen darüber, dass andere sie einfach nicht verstehen oder ihnen nicht zugehört wird. Was macht das Zuhören zu einer solchen Herausforderung? Hier ein paar Ideen, womit das zusammenhängen könnte und welche Fragen sich daraus ergeben.

  • Zuhören braucht vom Zuhörenden, dass derjenige sein eigenes Erleben, seine Meinungen / Urteile beiseitelegt, um für das Gegenüber offen zu sein. Wie gelingt es, diese Offenheit in sich zu schaffen?
  • Einem Menschen Aufmerksamkeit durch Zuhören zu geben, ist auch eine Art von Anerkennung und Wertschätzung. Bin ich ärgerlich oder wütend über das Verhalten des anderen, fehlt leicht die Bereitschaft zuzuhören. Geht das überhaupt, mit eigenem Ärger zuhören zu können?
  • Gerade in schwierigen Gesprächen ist das Bedürfnis gehört zu werden beider Gesprächspartner gleich hoch und damit wird ein Zuhören fast unmöglich. Wie komme ich in das Vertrauen, dass auch meines gehört wird?
  • Als Zuhörender empfange ich die gesamte Intensität der Emotionen des Sprechers. Dies kann in mir als Zuhörer leicht zu Überforderung im Umgang damit führen. Wie kann ich mit starken Emotionen umgehen?
  • Auch Unklarheit darüber, dass sich mein Gegenüber jetzt gerade ein aufmerksames Zuhören wünscht, kann zu weiteren Missverständnissen führen.

Gute Gründe zuzuhören

Zuhören als Begriff erzeugt per se die Verbindung mit etwas Positivem. So bleibt die Frage, was das Gute daran ist, mein Ohr zu leihen statt mich aufs Reden zu konzentrieren, oft unbeantwortet:

  • Zuhören zeigt dem anderen, dass er/sie wichtig ist oder Bedeutung für mich hat.
  • Zuhören beschreibt eine mögliche Form der Anerkennung des anderen.
  • Zuhören macht es mir möglich, zu erfahren was der andere und das Miteinander brauchen, um gut zu tun.
  • Zuhören kann Verletzungen heilen, die im Miteinander geschehen sind.
  • Zuhören kann auch nur der Entlastung des anderen dienen, sich Dinge von der Seele zu sprechen

Wie Zuhören gelingen kann!

  1. Zeigen und sagen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass es Ihnen wichtig ist, ihn und seine Sichtweise zu verstehen. Verwenden Sie einleitende Worte wie „Ich möchte gern von Dir hören…“
  2. Nehmen Sie sich einen kurzen Augenblick, um sich darüber gewahr zu werden, dass es darum geht den anderen zu hören und zu verstehen. Alle anderen Bedürfnisse Ihrerseits brauchen einen „Parkplatz“, solange Sie zuhören.
  3. Halten Sie über das Bedürfnis verstehen zu wollen Ihr Herz geöffnet für das, was gesagt wird. Urteile und Bewertungen erschweren dies, versuchen Sie daher wertfrei zu bleiben.
  4. Was vermuten Sie, wie geht es dem anderen gerade? Welche Gefühle nehmen Sie gemeinsam mit den Worten wahr? Können Sie die Bedürfnisse in den Aussagen erkennen: Was ist dem anderen wirklich wichtig?
  5. Geben Sie an den anderen zurück, was Sie verstanden haben, wie es dem anderen geht und was er braucht. Fragen Sie nach – hier gibt es kein richtig oder falsch, wenn Sie sich irren, korrigiert das Gegenüber meist umgehend.
  6. Beobachten Sie dabei die Regungen des anderen an Körper und/oder Gesicht. Dessen Veränderung gibt Ihnen klare Signale wie das Gesagte ankommt.
  7. Begegnen Sie auf Augenhöhe, wenn Urteile oder Meinungen über den anderen aufkommen, stellen Sie diese zurück und hören was der andere sagt; es geht um ihn, nicht um Sie.
  8. Wenn Sie Gefühle und Bedürfnisse geklärt haben, fragen Sie nach, ob der andere eine Strategie/eine Handlungsidee von Ihnen hören mag, oder ob es ihm gerade genug ist.
  9. Wenn die Seite des Gegenübers vollständig gehört wurde, fragen Sie, ob derjenige bereit ist zu hören, wie es Ihnen geht und was Ihnen wichtig ist.

Für mich hat sich mit dem Erlernen der GFK vieles in Sachen Zuhören geklärt und es gelingt mir zunehmend leichter mit dem Gegenüber in Verbindung zu bleiben.

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